Possum vor dem Fenster - Abenteuer Alltag in Australien by Anja Schmidt-Giese

Possum vor dem Fenster - Abenteuer Alltag in Australien by Anja Schmidt-Giese

Author:Anja Schmidt-Giese
Language: deu
Format: epub
Publisher: Dryas Verlag


Weihnachten bei 30 Grad und Buschfeuer

Nach Wolframs Abreise blieben uns noch sechs Wochen, bevor unser Flieger nach Deutschland ging. Wir hatten geplant, nach einem Jahr zumindest über Weihnachten nach Hause zu fliegen.

Zwei Wochen vorher hieß es jedoch erst einmal, das Chaos zu organisieren, die Arbeit abzuschließen und natürlich nicht zuletzt Geschenke zu besorgen. Weihnachten bei 30 Grad und Sonnenschein ist schwer vorstellbar. Auch wenn es überall Dekorationen mit Plastikglöckchen, Weihnachtsengeln und Sternen sowie die handelsüblichen Weihnachtsmänner aus Schokolade und den für uns weniger bekannten „Plumpudding“ mit Pflaumen, Rosinen und anderen Trockenfrüchten gibt.

Als wir noch in Deutschland wohnten, konnte ich es kaum erwarten und begann spätestens Anfang November, die erste Ladung Kekse in den Ofen zu schieben. Aber dieses Jahr kam ich nicht auf die Idee, da es für eine Aktion am Backofen einfach zu warm war. Tracey fragte mich, was man in Deutschland in der Vorweihnachtszeit so machen würde und ich erzählte von der Adventszeit, von Kerzen im Haus, von Tannenduft und selbst gebackenen Keksen. Schließlich leuchtete uns ein, dass man bei bestem Strandwetter nun wirklich keine Kerze anzuzünden brauchte. Weihnachtsbäume werden allerdings aufgestellt, und zwar wird in australischen Familien der Plastikbaum am 1. Dezember aufgeklappt. Schade, dass es keine echten Bäume sind, aber erstens gibt es hier sowieso keine richtigen Tannen, und zweitens würden die bei dem Wetter eh nicht bis Weihnachten halten und alle Nadeln vorzeitig verlieren.

Zumindest roch es nach Kaminfeuer, das allerdings in der ganzen Stadt. Grund dafür waren zahlreiche Buschbrände, angefacht durch heiße Winde und dauernde Trockenheit. Über Melbourne hing ein grauer Ascheschleier. Wir hatten davon in der Zeitung gelesen und Berichte im Radio darüber gehört, doch der Geruch in der Stadt und diese Art dauerhaften grauen Schleiers brachten uns die bedrohliche Situation erst richtig näher. Dass wir noch dichter herankommen würden, damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich musste für einen Tag nach Albury, das liegt 325 Kilometer nordöstlich von Melbourne an der Grenze zu Victoria, also schon in New South Wales. Peter hatte sich erfreulicherweise entschlossen, mich zu begleiten. So fuhren wir über den so genannten Hume Highway und kamen ganz gut voran. Doch nach etwa 100 Kilometern wurde der nebelartige Rauch immer dichter, ich konnte eigentlich nur die Straßen sehen und das Ganze wirkte gespenstisch. Ich war sehr froh, dass mein Mann neben mir saß, ansonsten wäre ich sicher sofort umgekehrt. Die Luft war rauchgeschwängert und beim Atmen bekam ich einen rauen Hals. Einige Kilometer später kamen noch ein orangefarbenes Glühen in der Luft dazu und das arg beunruhigende Wissen: rechts und links ist Buschland und somit das Feuer nicht weit weg.

Im Radio hörten wir, wie Menschen aufgefordert wurden, ihre Höfe zurückzulassen oder eigene Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, wie einen panic room aufzusuchen, der einen vor dem Feuer schützt. Außerdem solle man Feuerlöscher bereithalten und Sprinkleranlagen oder den Swimmingpool auf ausreichenden Wasservorrat überprüfen. Das sind natürlich alles wunderbare Tipps, aber gleichzeitig war Trockenheit in Victoria. Es hatte lange nicht geregnet, und Wasser begann ein knappes Gut zu werden.

Bei uns im Auto ging nun das Benzin zur



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